Der Herzlfresser von Kindberg
Eine Erinnerung an eine längst vergessene Geschichte im Mürztal.

Wenn heute ein Fremder nach Kindberg kommt und er fragt nach dem Weg zum Herzogberg, so sagt man ihm, er möge am Schloss Oberkindberg vorbei, den Herzlfresserweg entlang gehen, da wird er schon richtig hinkommen.
Der Fremde wird wohl für die Auskunft höflichst danken, aber sofort Interesse für den so bekannten Weg bekunden. Der Herzlfresserweg, was soll er nur bedeuten?
Rudolf Seebacher vor dem neu errichteten Marterl.Fragt der Fremde eine jüngere Person, so wird er keine genaue Auskunft bekommen, aber die alten Leute geben gerne in dieser Hinsicht Kenntnisse zum Besten und erzählen:
Vor ca. 200 Jahren lebte in Kindberg ein Tunichtgut, ein Säufer, Spieler und Räuber, er hieß
Paul Reininger und war voll Aberglauben.
In seinem Wahn und seinem gottlosen Glauben bildete er sich ein, wenn man jemandem noch ein warmes Herz aus dem Körper eines Menschen nimmt und Teile davon isst, wird er stets im Spiele Glück haben, wird von den Frauen sehr begünstigt sein und kann sich zu seinem Treiben unsichtbar machen.
Das alles glaubt nun dieser Paul Reininger und hat also am 15.Jänner 1786, dort, wo am "
Herzlfresserweg", auf der Liegenschaft von Josef und Aloisia Hörler, heute noch das "Herzlfressermarterl" steht, das übrigens vom Tischlermeister i.R. Rudolf Seebacher und dem Kindberger Restaurator Ferdinand Fladischer 1990 neu errichtet wurde, sein erstes Opfer gefunden.
Die brave Magd Magdalena Angerer wurde am Heimwege zur Möstlmühle dort ermordet. Er hat ihr das Herz aus dem Leibe gerissen und es zum Teil verzehrt. Der Fremde wird sich bei dieser Erzählung eines kalten Schauers nicht verwehren können.
Die Geschichte vom "Herzlfresser" Paul Reininger ist noch nicht zu Ende. Diesem Morde folgen noch weitere fünf, erst nach dem sechsten Mord wurde der Verbrecher verhaftet und seiner verdienten Strafe zugeführt.
Das Urteil, welches über diesen unmenschlichen Paul Reininger am 24.April 1786 gefällt wurde, gehört zum schwersten, das in jener Zeit gesprochen wurde, es lautete: "Paul Reininger soll wegen an sechs Personen auf die grausamste Art verübten Straßen- und Meuchelmorden an die gewöhnliche Richtstätte geführt, am ersten Viertelweg ihm ein Zwick mit glühender Zange in die rechte Brust, am halben Weg ihm ein Riemen aus der linken Seite am Rücken geschnitten, am dritten Viertel, wiederum ein Zwick in die linke Brust, an der Richtstätte selbst abermals ein Riemen aus der rechten Seite geschnitten, hernach ihm all dort seine Glieder durch den ganzen Leib von unten auf mit dem Rade abgestoßen und also soll er dem Leben zum Tode gerichtet, folgens der Tote in das Rad geflochten und ein Galgen mit herabhängendem Strang aufgerichtet werden."
Kaiser Josef II. in seiner Herzensgüte hatte auch für diesen Verbrecher ein gütiges Herz. Er änderte diese harte Strafe um und verfügte, dass Paul Reininger auf der Richtstätte bloß gebrandmarkt werde und durch drei Tage hintereinander jedes Mal 100 Stockstreiche erhalten solle.
Dann sei er nach Graz auf den Schlossberg zu überführen und dort in ein ewiges Gefängnis anzuschmieden und nur mit Wasser und Brot abzuspeisen, außerdem solle er alle Vierteljahre vor allen Verbrechern des Schlossberges 50 Stockstreiche erhalten.
Es ist leicht erklärlich, dass diese Mordgeschichte damals das denkbar größte Aufsehen erregte. Als der Verbrecher am 12.August 1786 in Graz eintraf, war wohl die ganze Stadt auf den Beinen, um den Unmenschen zu sehen. Paul Reininger hat aber nicht lange im Gefängnis des Schlossberges zu schmachten brauchen.
Am 11.November 1786 ist der "Schrecken von Kindberg" dort verstorben. Auch die Totenliste der Grazer Zeitung meldet den Tod Paul Reiningers an diesem Tag.

Zusammengefasst von
Franz Leitner
Aus: Der Herzensfresser von Kindberg.

Eine Erinnerung an eine vergessene Geschichte im Mürztal.
Von Franz Josef Böhm, Vorstand des Lokalhistorischen Museums der Stadt Mürzzuschlag.